Über

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WADI wurde 1991, kurz nach dem 2. Golfkrieg, von einigen Menschen gegründet, denen die schwierigen Lebensbedingungen im Nahen Osten und insbesondere im Irak aus eigener Anschauung bekannt waren und die angesichts des großen Elends aktiv werden wollten. Seit 1993 ist WADI kontinuierlich mit eigenen Projekten im kurdischen Nordirak aktiv. Darunter befinden sich mehrere Frauenzentren mit umfangreichen Beratungs- und Bildungsangeboten, eine Community-Radiostation sowie einige mobile Gesundheitsteams. Seit Mitarbeiterinnen dieser Teams 2004 entdeckten, dass im Nordirak Genitalverstümmelung an Mädchen (FGM) praktiziert wird, nimmt die Aufklärungs- und Präventionsarbeit breiten Raum ein. Die Gesundheitsteams betreiben heute vor allem Aufklärung gegen FGM.

WADI betreibt Entwicklungszusammenarbeit – vor Ort arbeiten nur einheimische Kräfte. Sie verfügen neben ihrer beruflichen Kompetenz auch über „Expertenwissen“, wenn es um Sprache, lokale Gesellschaft, Mentalitäten und Gepflogenheiten geht. Die interne Projektorganisation wird von den lokalen Mitarbeiter/innen weitgehend selbst gestaltet. Demokratische und transparente Entscheidungsstrukturen sind dabei Voraussetzung für die erfolgreiche Arbeit.

Flyer: WADI; Wer wir sind

Die Mitarbeiter/innen in Deutschland sorgen für die Kommunikation mit internationalen Geldgebern, ermitteln Bedarfe und entwickeln neue Projekte. Nicht zuletzt stellen sie den funktionierenden Ablauf der Projekte sicher. Hierfür ist ihre zeitweise Anwesenheit vor Ort erforderlich.

WADI finanziert seine Projekte sowohl über Privatspenden als auch über Mittel verschiedener internationaler Stiftungen und Organisationen sowie staatlicher Institutionen. Große Geldgeber waren in der Vergangenheit Hivos, USAID, US State Department und UNICEF.

Das Konzept der Entwicklungszusammenarbeit ermöglicht sehr effizientes Haushalten, d.h. es entstehen nur geringe Verwaltungskosten und die Gelder kommen mit minimalen Verlusten dort an, wo sie dringend gebraucht werden.

Das Konzept von WADI basiert auf einer Analyse der im Nahen Osten vorherrschenden Probleme: Nicht nackte Armut und nicht Mangel an Ressourcen ist hier die vorrangige Ursache des Elends. Im Gegenteil – diese Länder könnten ihre Bewohner/innen gut ernähren und ihnen ein Leben in Wohlstand bieten. Das Elend ergibt sich vielmehr aus der Allgegenwart von Unfreiheit und Gewalt: Gewalt gegen Frauen, Kinder, Andersgläubige, politische Gegner oder Menschen, die aus irgendeinem Grunde „anders“ sind. Gewalt lauert überall: sie geht vom Staat aus, vom (Ehe-)Mann, vom Clan, von Milizen, von Terroristen. Ursächlich hierfür sind die undemokratischen Herrschaftsstrukturen und patriarchalischen Machtverhältnisse in der Region. Sie gilt es zu verändern.

WADI verfolgt einen gesellschaftskritischen Ansatz und begreift seine Arbeit auch als gezielte Intervention. Diejenigen, die am meisten unter den extrem patriarchalischen Verhältnissen leiden und sich am wenigsten mit dem status quo arrangieren können und wollen, werden von WADI gezielt unterstützt und in ihren Rechten gestärkt: dabei handelt es sich vor allem um Frauen, um Jugendliche und um Flüchtlinge. Diese Gruppen haben ein ureigenes Interesse an Veränderungen hin zu menschenwürdigeren, demokratischeren und freieren Lebensbedingungen.

Im Vordergrund der von WADI geleisteten Unterstützung steht immer die Stärkung der Rechte des/der Einzelnen gegenüber dem repressiven Kollektiv (Familie, Clan, Religion) sowie die Förderung seiner/ihrer individuellen Fähigkeiten. Der/die Einzelne sollte zum Einen uneingeschränkt über sich selbst verfügen, zum Anderen an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen teilhaben können. Es geht um Hilfestellung zur Emanzipation, verbunden mit einem klaren politischen Bekenntnis gegen diktatorische und repressive Verhältnisse, unter denen diese Emanzipation nicht gedeihen könnte.